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Die diesjährige Studienreise der AG Bergen-Belsen mit insgesamt 20 Teilnehmern und Teilnehmerinnen führte in diesem Jahr in die lettische Hauptstadt Riga. Es gibt viele touristische Sehenswürdigkeiten, für die es sich lohnt, Riga zu besuchen. Aber als AG Bergen-Belsen wollten wir natürlich auch die Spuren der mörderischen Nazi-Zeit erkunden und der vielen Opfer gedenken.
5. Sept. Anreisetag
Gleich am ersten Nachmittag bekamen wir eine sehr interessante Führung durch dasLettische Okkupationsmuseum. Es zeigt eine Dokumentation der dreifachen Fremdherrschaft Lettlands - durch die Sowjetunion, das nationalsozialistische Deutschland und erneut durch die Sowjetunion von 1940-1991.


6. Sept.
Die Vielfalt von Riga durften wir auf unserem ersten Stadtrundgang am Vormittag erleben. In der Altstadt sind trotz der Weltkriege relativ viele Gebäude erhalten geblieben. Unsere Stadtführung begann am Freiheitsdenkmal, dem Lettischen Nationaldenkmal, im Volksmund auch Milda genannt. Unser Rundgang führte uns über den Livenplatz, den Domplatz und den Rathausplatz, vorbei an den Gildehäusern, dem Dom, dem rekonstruierten Schwarzhäupterhaus, den "Drei Brüdern" und dem Katzenhaus eines der bekanntesten Häuserensembles Rigas.






Am Nachmittag stand der Besuch des jüdischen Kultur-/Gemeindezentrums auf dem Programm. Die Leiterin Gita Umanowska erzählte uns sehr lebendig über jüdisches Leben in Riga und führte uns außerdem durch das Museum der Juden in Lettland. Marģers Vestermanis, ein lettischer Holocaust-Überlebender, hat dieses Museum gegründet und jahrelang als Direktor geleitet.


Auf der Studienfahrt 2011 nach Riga haben wir Magers Vestermanis getroffen. Er führte uns in den großen Theatersaal und erzählte uns dort, drei Stunden nur auf seinen Stock gestützt, von der traurigen Geschichte der lettischen Juden und seiner eigenen. Er ist in diesem jahr im Alter von 101 Jahren gestorben.



7. Sept.
Am Vormittag unseres dritten Reisetages besuchten wir die Peitav-Synagoge. Es gibt eine jüdische Gemeinde in Riga, und die Synagoge steht für jeden offen.


Danach führte uns unser Weg zum "Museum des Rigaer Ghettos". Es befindet sich nahe dem ursprünglichen Standort des Rigaer Ghettos. Verschiedene Ausstellungen dokumentieren die Geschichte der jüdischen Bevölkerung in Lettland vor dem Krieg bis zum Holocaust. Das Museum erinnert an die Verbrechen der Nazis und die Schicksale der über 70.000 ermordeten lettischen und annähernd 20.000 nach Riga deportierten Juden.

Die Mittagspause haben wir in den Markthallen verbracht. Sie wurden in den 1920er Jahren ursprünglich als Zeppelinhangars zum Bau von Luftschiffen erbaut.


Am Nachmittag haben wir uns auf dem Gebiet des früheren Rigaer Ghettos auf Spurensuche begeben. Es befindet sich im Viertel "Moskauer Vorstadt". Dort sind noch etliche Holzhäuser aus dem 19. Jahrhundert zu entdecken, die sich allerdings häufig in einem schlechten Zustand befinden. An die ehemalige Choral-Synagoge, die am 4. Juli 1941 kurz nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Riga in Brand gesteckt wurde, erinnert heute ein Denkmal.



Dort, wo sich der alte jüdische Friedhof befand, ist heute ein Park. Die Grabsteine wurden in der Zeit der zweiten sowjetischen Okkupation entfernt und als Baumaterial zweckentfremdet. Nur wenige Spuren weisen noch auf den Friedhof hin.


In der Lettischen Nationalbibliothek konnte Hartmut Ziesing einen Raum organisieren, wo wir uns in einer kurze „Blitzlicht-Runde“ ausgetauscht haben. Der futuristische Bau von 2021 erinnert an ein aufgeschlagenes Buch.


8. Sept.
Am Dienstag starteten wir zu einer Ganztages-Exkursion zu den Stätten der NS-Zeit in Riga und Umgebung. Die Gedenkstätte im Wald von Bikernieki war unser erstes Ziel. Dort wurden zwischen 1941 und 1944 mehr als 35.000 Menschen bei Massen-Erschießungen ermordet. Die Opfer waren überwiegend Juden, aber auch politische Gefangene und sowjetische Kriegsgefangene. Etwa 25.000 Juden aus dem Deutschen Reich wurden zwischen 1941 und 1945 nach Riga deportiert und in ihrer überwiegenden Zahl im Wald von Bikernieki ermordet.
Hannover – Riga 15.12.1941






Auf dem Weg zur Gedenkstätte im Wald von Rumbula hielten wir am Bahnhof Šķirotava an. Dort war der Ausgangs- und Endpunkt zahlreicher Deportationen.


In Rumbula wurden am 30. November 1941 und am 8. Dezember 1941 mehr als 25.000 lettische Juden aus dem Rigaer Ghetto und etwa 1.000 deportierte Juden aus Berlin erschossen. Die Opfer worden im Wald in Massengräbern verscharrt.



Liebe Freundinnen und Freunde,
wir denken und erinnern an die Menschen, die Opfer der Nationalsozialistischen Schreckensherrschaft wurden und hier ermordet wurden. An die Gewalt und den Terror den sie erleiden mussten.
Möge unsere gemeinsame Reise und unser heutiges Gedenken ein lebendiges Zeugnis dafür sein, dass wir die Menschen die hier zu Opfern gemacht wurden und sterben mussten nicht vergessen. Und dass wir in der Verantwortung leben, dass Frieden, Freiheit und Demokratie weiter bestehen.
Danke.
Die Gedenkstätte Salaspils (Kircholm) erinnert an ein ehemaliges Polizei- und Arbeitserziehungslager. Das Lager wurde 1941 von sowjetischen Kriegsgefangenen und deportierten Juden errichtet, von denen viele unter den unmenschlichen Arbeitsbedingungen ihr Leben ließen. Die Gedenkstätte stammt aus der Zeit der sowjetischen Okkupation. In der Mitte der Gedenkstätte schlägt ein Metronom, um an den Herzschlag der hier Inhaftierten zu erinnern.
Zurück in Riga besuchten wir noch die Jānis-Lipke-Gedenkstätte. Der lettische Hafenarbeiter hatte zusammen mit seiner Frau Johanna und weiteren Helfern während der Okkupation durch die Nazis mehr als 50 Juden das Leben gerettet. Er versteckte die Menschen in einem selbst gebauten Bunker in seinem Garten und verhalf ihnen zur Flucht.
9. Sept.
Nach der sehr intensiven und mit traurigen Themen beladenen Ganztagestour am Vortag stand für Mittwoch ein ganz anderes Thema auf dem Programm - eine Führung durch das Jugendstilviertel von Riga. Es gibt dort mehr als 750 Beispiele dieser Baurichtung. In der Straße Alberta iela reiht sich ein sehenswertes Jugendstilgebäude an das nächste.




Nach diesem letzten Programmpunkt hatte jede/jeder Reisende die Möglichkeit, den Nachmittag selbst zu gestalten und die Schönheiten dieser Stadt nochmal abschließend zu genießen.


10. Sept. Abreisetag
Fotos: Andrea Brandt, AngelaTiede
siehe auch Artikel in unserem Rundbrief.