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AG Bergen-Belsen

Kurzbericht der Studienfahrt der AG Bergen-Belsen nach Budapest

30.08. - 06.09.2014


Führung

Am Sonntag wurden wir zu einer großen Stadtrundfahrt abgeholt. Mitten in der Stadt beeindruckte uns ein ganz schlichtes Mahnmal für Raoul Wallenberg: eine Bank mit einer Aktentasche darauf - wie vergessen. Raoul Wallenberg hat mit viel Mut seinen Diplomatenstatus dafür benutzt, ungarische Juden vor der Deportation nach Auschwitz zu zu retten. Nach dem Krieg wurde er in die Sowjetunion verschleppt und ist dort verschollen.

Am Montag hatten wir György Denes, inzwischen 91 Jahre alt, und seine Frau eingeladen. Er hatte 2013 auf unserer Gedenkveranstaltung an der Rampe als Zeitzeuge gesprochen.

Am Dienstag standen der Besuch der großen Synagoge, des Jüdischen Museums und des Holocaust-Memorial-Center auf dem Programm.

Am Mittwoch trafen wir uns zu einer Führung durch das ungarische Parlament direkt an der Donau. Ein Bau von riesigen Ausmaßen und sehr prunkvoll ausgestattet!

Anschließend gingen wir zum Mahnmal mit den Schuhen direkt am Donauufer. Wir legten Blumen zum Gedenken nieder. Hier haben die »Pfeilkreuzler«, die ungarischen Nazis, 1944 tausende Juden erschossen und in die Donau stürzen lassen. Eckard Bretzke gestaltete mit der Gruppe ein würdiges Gedenken.


Schuhmahnmal

Schuhmahnmal

Schuhmahnmal

Kundgebung am Freiheitsplatz

Am Nachmittag fand eine große Kundgebung der Bürgerbewegung am umstrittenen Denkmal auf dem Freiheitsplatz statt, an der wir uns beteiligten. Das Denkmal zeigt, wie sich ein Adler, der für die Besetzung Ungarns durch die Deutschen am 19. März 1944 steht, auf einen unschuldigen Engel, der das ungarische Volk verkörpern soll, von oben herabstürzt. Foto 142 Diese Darstellung verhindert eine ehrliche Aufarbeitung der Geschichte. In Ungarn gab es die »Pfeilkreuzler«, die nach der Besetzung Ungarns durch die Deutschen am 15. März 1944 endlich an die Macht gekommen waren, und für die Durchführung der massenhaften Verhaftungen, Deportationen und Erschießungen mitverantwortlich waren. Auch die Deutschen haben lange gebraucht, um sich ihrer Geschichte zu stellen.

Am Donnerstag fuhren mir mit dem Bus in Richtung österreichische Grenze. Dort waren viele Juden als Zwangsarbeiter zum Bau des Ostwalls, der die rote Armee aufhalten sollte, eingesetzt. In Balf besuchten wir ein Mahnmal, das an die vielen Menschen erinnern soll, die unter diesen unmenschlichen Bedingungen elend ums Leben gekommen sind. Wir gingen einen Weg, der zum Gemeindefriedhof führt, bergan. Vor der Mauer, die den Gemeindefriedhof umgibt, zweigt ein mit Kopfsteinen gepflasterter Weg ab, auf dem Grabplatten, die an einen jüdischen Friedhof erinnern, dicht an dicht aufgestellt sind, manche schief, kurz vorm Umfallen - nur mit einer Nummern darauf – Häftlingsnummern! Von weitem wirkt es, als kämen Menschen ins Straucheln und fallen schließlich hin.


Gemeindefriedhof Balf

Gemeindefriedhof Balf

Anschließend fuhren wir weiter nach Sopron und machten einen Rundgang durch den mittelalterlichen, gut erhaltenen Stadtkern mit einer sehr alten Synagoge und einer Mikwe (rituelles jüdisches Bad). Über Eisenstadt ging es zurück nach Budapest.


Gesprächsrunde

Zum Abschluss unser Studienfahrt hatten wir am Freitag eine sehr interessante Gesprächsrunde zur aktuellen politischen und sozialen Situation in Ungarn mit führenden VertreterInnen der Bürgerbewegung gegen das Denkmal auf dem Freiheitsplatz.

Unsere Zeit in Budapest klang bei einem schönen Abendessen im Lokal »Spinoza« im jüdischen Viertel und Klezmer-Musik aus.