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AG Bergen-Belsen

Bericht über die Studienfahrt nach Esterwegen 2012

Von Elke von Meding

In der Zeit vom 22. – 23. September führte unsere diesjährige Studienfahrt zur Gedenkstätte der Emslandlager in Esterwegen, die 2011 eröffnet wurde. Die Empfangshalle ist geräumig und licht gestaltet. In der Mitte befindet sich ein großes Modell des früheren Lagergeländes. Empfangen und geführt wurden wir von Kurt Buck, dem Leiter des früheren DIZ Emslandlager in Papenburg. Seit 2011 ist er Geschäftsführer des neuen Dokumentationszentrums in Esterwegen. Zusammen mit seiner Frau bestreitet er den größten Teil der Führungen selbst. In ehemaligen Hallen der Bundeswehr ist eine interessant gestaltete Ausstellung untergebracht. Quer zum Gebäude verläuft ein stählerner Weg. Auf der einen Seite führt er auf das ehemalige Lagergelände, auf der anderen ins Moor, wo die Gefangenen unter schwersten Bedingungen Kultivierungsarbeiten verrichten mussten.

Die Emslandlager waren die ersten Lager, die 1933 errichtet wurden. Hier sollten politische Gegner seelisch und körperlich zerbrochen werden. Das Lied der Moorsoldaten ist hier entstanden. Heute liegt das Moor wieder unberührt in stiller Schönheit da, aber in der Stille hört man das Seufzen, wenn man um die Vergangenheit weiß – ähnlich wie in Bergen-Belsen mit seiner schönen Heidelandschaft.

Am folgenden Tag fuhren wir nach Bremen-Farge. Ziel war der Bunker Valentin, ein Bauwerk, mit seinen maßlosen Dimensionen Symbol des Größenwahns der Nazis und ihres maßlosen Vernichtungswillens! Geplant war, dass dort jeden zweiten Tag ein fertiges U-Boot auslaufen sollte – auf Kosten unzähliger Menschenleben: Fremdarbeiter, KZ-Häftlinge, Strafgefangene, Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter, manche untergebracht in Tanklagern der Marine.

Die Produktion konnte aber nicht mehr aufgenommen werden. Die unvorstellbaren Dimensionen offenbarten sich uns in einer sehr informativen Führung durch den Bunker und außen um das Gelände herum. Auch der Denkort Bunker Valentin ist aus einer Bürgeriniative entstanden.

Eine weitere ist die Initiative «Baracke Wilhelmine». Dort hatten wir eine besondere und sehr ergreifende Begegnung mit «Kindern» des sogenannten «Lebensborns». Bis heute sind diese Menschen auf der Suche nach ihren Wurzeln! Die meisten Dokumente ihrer Herkunft wurden bewusst zurückgehalten oder vernichtet. Großes Schweigen und falsche Informationen haben eine sachliche Aufarbeitung viele Jahre unmöglich gemacht – bis heute.

Sehr still und nachdenklich fuhren wir nach Hause.