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AG Bergen-Belsen

Studienfahrt 15. -20.08.2005 nach Straßburg / Natzweiler-Struthof

Die Studienfahrt der AG Bergen-Belsen führte in diesem Jahr nach Straßburg. An der Fahrt haben 30 Personen teilgenommen. Unsere Fahrt führte uns nach Straßburg, um von dort die Gedenkstätte Natzweiler-Struthof zu besuchen.

Das Lager Natzweiler-Struthof


Eingang Natzweiler-Struthof

Blick von oben
auf das ehemalige Lager

Mahnmal Natzweiler-Struthof

Gedenkstein in Natzweiler-Struthof

Natzweiler-Struthof war das einzige KZ auf französischem Boden, ca. 50 km südwestlich von Straßburg in den Vogesen gelegen. Im Mai 1941 kamen die ersten Häftlinge aus Sachsenhausen auf den Struthof (ein ehemaliger Bauernhof). Die Häftlinge mussten die Baumaterialien etwa 800 m weiter den Berg hinaufschleppen, wo das KZ Natzweiler-Struthof entstand. Es war eins der kleinsten KZs mit 17 Baracken, die terrassenförmig am Berghang angeordnet waren. Eigentlich war es für 1.500 Häftlinge geplant, jedoch waren dort im September 1944 7.000 untergebracht. Sie mussten im weiter oberhalb gelegenen Granitsteinbruch (roter Granit!) arbeiten und unterirdische Anlagen für die Flugzeugproduktion (Junkers) errichten. Natzweiler-Struthof war eins der seltenen »Nacht- und Nebel-Lager« gemäß einer geheimen Anordnung von Keitel: »Schnelle Vernichtung von Regimegegnern ohne Hinterlassen von Spuren«!

Zum KZ Natzweiler-Struthof gehörten 45 Außenkommandos, auf beiden Seiten des Rheins gelegen. Im Sommer 1943 wurde in einem Gebäude des Struthofs eine Gaskammer errichtet. Hier wurden Menschen ermordet, deren Skelette zu pseudo-wissenschaftlichen Untersuchungen an der Universität Straßburg (Prof. Hirt) benutzt werden sollten. Die Verwaltung setzte sich September 1944 auf die andere Seite des Rheins ab. Die Außenkommandos wurden im März 1945 auf Todesmärsche Richtung Dachau geschickt.

Leider befand sich das neue Dokumentationszentrum noch im Bau. Die neue Ausstellung soll Ende dieses Jahres eröffnet werden. Ein Besuch lohnt sich bestimmt!

»Der letzte Jude von Marmoutier«


Herr Katz zeigt wo die »Mesusa« gesessen hat

Jüdischer Friedhof Marmoutier

Eine Begegnung besonderer Art hatten wir in Marmoutier, wo wir von Herrn Katz (80 Jahre!), der sich selbst als »letzter Jude von Marmoutier« bezeichnet, geführt wurden. Ich möchte kurz seine Lebensgeschichte wiedergeben, weil sie typisch für die jüdische Bevölkerung im Elsass ist: Er wurde in Marmoutier geboren. Kurz vor der Besetzung des Elsass durch die Deutschen wurde die jüdische Bevölkerung aufgefordert zu ihrem eigenen »Schutz«, das Elsass zu verlassen. Die Schlüssel und allen Besitz mussten sie zurücklassen. Herr Katz lebte viele Jahre als Schiffsbauingenieur in Paris und ist erst nach seinem Ruhestand in seinen Heimatort zurückgekehrt.

Zuerst zeigte er uns Spuren jüdischen Lebens an den Häusern von Marmoutier: In einigen Türrahmen waren noch die Vertiefungen zu erkennen, in denen die »Mesusa« angebracht war. Die »Mesusa« ist eine Kapsel mit einem Zettel darin, auf der das »Höre Israel« geschrieben steht. Wenn ein Jude das Haus verlässt, berührt er die Mesusa, als Zeichen, dass Gott mit ihm gehen soll.

Danach führte Herr Katz uns zu dem kleinen Heimatmuseum, in dem sich eine umfangreiche sehr qualifizierte jüdische Abteilung befindet, die er mit aufgebaut hat.

Sehr beeindruckend war der Gang über den alten jüdischen Friedhof der Nachbargemeinde Schwenheim. Dieser Friedhof ist von Kornfeldern und mit dichtem Gebüsch umgeben, so dass man von außen nichts erkennen kann. »Taucht man« in dieses Gebüsch ein, öffnet sich ein freie Fläche mit zwei Reihen schöner alter Grabsteine. Herr Katz machte uns auf die besonderen Motive auf diesen Grabsteinen aufmerksam. Zum Schluss zeigte er uns den alten jüdischen Friedhof von Marmoutier, der abseits im Wald an einem Hang liegt.

Bei unserer Stadtführung in Straßburg sahen wir als einzige Spur ehemaligen jüdischen Lebens in Straßburg eine »Mikwe«, ein rituelles Bad. Vor Schabbat und anderen Festtagen mussten sich die Frauen in frischem Quellwasser reinigen. Die Mikwe lag im Keller eines Hauses und wurde vom Grundwasser gespeist (kalt!).

Die ehemalige Synagoge am Quai Kleber wurde 1940 von den Deutschen niedergebrannt und der Platz völlig eingeebnet. Nach dem Krieg sind wieder Juden nach Straßburg zurückgekehrt, so dass es neue Synagogen gibt, von denen die »Synagoge des Friedens« die größte ist.

Weitere Sehenswürdigkeiten


»La petite france« malerisches Stadtviertel in Straßburg

Die Vogesen

Europäisches Parlament

Von Straßburg aus haben wir eine Tagesfahrt nach Besancon unternommen, um in der ehemaligen Festung »La Citadelle« das »Museum für Widerstand und Deportation« zu besichtigen.

Zum Schluss haben wir noch das europäische Viertel mit dem Europarat, dem Europäischen Parlament und dem Palast der Menschenrechte besucht.

Zwischendurch konnte man sich im ehemaligen Gerberviertel »La petite France« mit seinen vielen malerischen Fachwerkhäusern direkt am Wasser erholen.

Ich hoffe, ich konnte Sie an unseren vielen Eindrücken, die wir von der Fahrt mitgebracht haben, teilnehmen lassen. Vielleicht sind Sie nächstes Mal auch dabei?